Iltisbunker: Abstimmen bis 13. Mai 2018

Ex OBR Gaarden: Iltisbunker

Der Iltisbunker mit Wandbild. Foto April 2013

Wie soll der Iltisbunker an der Ecke Preetzer/Iltisstraße in Zukunft aussehen? Auch wenn das bisherige Bunkerbild nicht erhalten werden kann, wird die Betonfläche trotzdem wieder Kunst zeigen – das war der Wunsch des Ortsbeirats Gaarden.  Eine Jury aus Kunst- und Gaarden-Experten hat neun Künstler um Vorschläge gebeten und daraus drei ausgewählt, nämlich die Entwürfe von Chili M. Seitz, Arne Lösekann und Piotr Nathan. Wer das Rennen macht, darüber können auch die Bürger mitentscheiden. Die drei Entwürfe werden mitten in Gaarden, im ehemaligen Schlecker-Markt am Vinetaplatz, ausgestellt (siehe unten). Bis 13. Mai 2018 gibt es während der Öffnungszeiten Wahlzettel und eine Wahlurne, damit die Besucher abstimmen können.

Ex OBR Gaarden: Iltisbunker

Detail des Bunkerbilds: Matrosenaufstand 1918

Das bisherige Bild entstand im Jahr 1988 als Projekt für Arbeits-suchende. Unter Anleitung des Künstlers Shahin Charmi befassten sich die Teilnehmer mit dem Kieler Matrosen-aufstand und der deutschen Revolution, aber auch mit der Weimarer Republik und dem Zweiten Weltkrieg, in dem der Bunker errichtet wurde. In realistischer Manier wurden Motive wie Matrosen, Arbeiter, Waffen, Aktfiguren, aber auch Persönlich-keiten wie Rosa Luxemburg an die graue Betonfläche gemalt. Das Bild sorgte seinerzeit für erbitterte politische Diskussionen, wie dieser NDR-Beitrag vom Juni 1989 zeigt. Zudem gab es feministischen Protest gegen die Aktfiguren am Bunker.

Auch in der Bundesrepublik wurde das Gebäude noch offiziell als Schutzraum vorgehalten. 2013 jedoch verkaufte es die Stadt an einen Privatmann, der es als Probe- und Auftrittsort für Musiker anbietet. Unabhängig davon musste die Außenhaut des Bunkers dringend saniert werden – auch dicke Betonwände bekommen mit der Zeit Risse, und die Eisenarmierung setzt Rost an. Die Sanierung hätte auf jeden Fall eine Zerstörung des Bunkerbildes zur Folge gehabt.

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Lichtinstallation von Shahin Charmi am Iltisbunker (Mai 2015)

Zunächst nahm der Ortsbeirat Kontakt mit Shahin Charmi auf, der inzwischen im Ausland lebte. Der Künstler zeigte großes Interesse an einer Erneuerung seines Projekts und zog sogar für einige Jahre wieder nach Kiel, wo er sich auch rege am Gaardener Kulturleben beteiligte. So gab es im Mai 2015 im Rahmen der Gaardener Kulturtage eine Lichtinstallation auf das abbröckelnde Bunkerbild.

Da ich in den letzten Jahren mehr mit meiner Doktorarbeit als mit aktueller Kulturpolitik befasst war, weiß ich nicht genau, warum sich das Erneuerungs-Vorhaben zerschlagen hat. Jedenfalls gibt es nun stattdessen die oben genannten Entwürfe. Chili M. Seitz betrachtet den Betonklotz als Skulptur, der sie Risse einschreiben möchte – Risse, die für Krieg und Aufbruch stehen, für Flucht und Neuanfang. Arne Lösekann abstrahiert die „Ausrufung der Republik“ von Philipp Scheidemann zur digitalen Tonspur, wie sie von Audio-Software angezeigt wird. Diese Spur läuft um den Bunker herum, per QR-Code kann man sich die Rede auch anhören. Piotr Nathan hat Schüler der benachbarten Grundschule um Mitarbeit gebeten und entwickelte aus ihren bunten Zeichnungen ein neues Wandbild.

Ich war heute Abend bei der Eröffnung und habe auch gleich abgestimmt – aber ich verrate nicht, für wen. Schaut euch die Bilder selbst an und trefft eure eigene Entscheidung!

Ausstellung bis 14. Juni 2018
Stadtgalerie Kiel -> am Vinetaplatz, ehem. Schlecker, Elisabethstr. 68a, Kiel-Gaarden
geöffnet Dienstag-Donnerstag und Sonntag jeweils 15-18 Uhr (auch an den Feiertagen 1., 10. und 20. Mai 2018)

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Eine Antwort zu Iltisbunker: Abstimmen bis 13. Mai 2018

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