Zur Erinnerung an Villa Theophile

Die Villa Theophile im Jahr 2007.

Die Villa Theophile im Jahr 2007.

Für den Kieler Rechtsanwalt Wulf Theophile entwarf Johann Theede 1910/11 eine Villa komplett mit Inneneinrichtung. Das Haus stand  hundert Jahre lang im Heikendorfer Villenviertel Kitzeberg, wurde aber ca. 2010 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Gegen den Neubau ist an sich nichts zu sagen. Ein traditionelles, mit Backstsein verkleidetes Satteldachhaus, kombiniert mit kubischen Anbauten – Doppelgarage und Turm. Er fügt sich ins Straßenbild ein, zeugt von Geschmack und Gestaltungswillen.

Eingangspforte der Villa Theophile, um 1911.

Eingangspforte der Villa Theophile, um 1911.

Es ist eben nur schade, dass ausgerechnet eine Villa von Johann Theede dafür abgebrochen werden musste. Und noch viel mehr bedaure ich, dass ich nicht früher versucht habe, mit den letzten Bewohnern der Villa Kontakt aufzunehmen, um zu erfahren, ob von der Inneneinrichtung noch etwas erhalten war. Jetzt ist es dafür zu spät.

 

Gartenseite der Villa Theophile, um 1911.

Gartenseite der Villa Theophile, um 1911.

In einem Brief vom 24. Juli 1910 schrieb Johann Theede an seine Frau:
„Sonnabend nachmittag war ich mit Herrn Rechtsanwalt Theophile zusammen, er hat den Platz gekauft und will sofort anfangen zu bauen; er hat gestern schon die Pläne mit (…) genommen. Jedenfalls soll ich seine ganze Einrichtung mitzeichnen, das wäre eine reizende Aufgabe. Die Zeichnung für seine Villa hat ihm sehr gut gefallen.“

Zur Straße hin zeigte sich die Villa als schlichter Backsteinbau, der geprägt wird von dem hohen Satteldach, der breit gelagerten Gaube mit drei querrechteckigen Sprossenfenstern und dem kleinen Eingangsportikus. Die konkav gemauerte Einfriedigung mit der kleinen Pforte lenkt Blick und Schritte zum Haus. Die eigentliche Schauseite ist die Gartenseite nach Südosten, mit dem zweigeschossigen, turmartig bedachten Erker, den vielen Fenstern, den Fachwerkdetails.

Villa Theophile, Grundriss des Obergeschosses

Villa Theophile, Grundriss des Obergeschosses

Der Grundriss des Obergeschosses zeigt, dass das Ehepaar Theophile sich hier im Erkerraum sein Schlafzimmer eingerichtet hatte. Es muss voller Licht gewesen sein, besonders in der ersten Tageshälfte.

Die neuen Bewohner wollen dieses Licht auch haben, auch sie haben sich einen Turm gebaut. Was hat ihnen an der Villa nicht gefallen? Die Zimmer zu klein, die Technik veraltet, die vielen Fenster zu aufwendig zu erhalten und zu pflegen? Oder fehlte einfach der Platz für die Autos? Es gibt viele Gründe, warum ein Neubau praktischer ist als ein Altbau. Aber schade ist es schon.

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